Natur und Geschichte pur in Reichental

Wanderungen

  • Typ Wanderungen
  • Schwierigkeit mittel
  • Dauer 3:15 h
  • Länge 10,3 km
  • Aufstieg 361 m
  • Abstieg 361 m
  • Niedrigster Punkt 385 m
  • Höchster Punkt 716 m

Beschreibung

Wir wollen Sie mit unserem Weg „Natur und Geschichte Pur“ ein kleines Stück mit unserem Leben im und mit dem Wald vertraut machen. Den Ort umschließen sieben Täler und damit sind wir fast vollständig von Wald umgeben. Reichental wurde 1339/40 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und lebt seit Menschengedenken in Tradition mit dem Wald und den Waldberufen. Die Gemarkungsfläche betrug vor der Eingemeindung mit Gernsbach 4719 Hektar, davon waren 92% Wald, der zum einen Teil der Gemeinde, zum anderen Teil dem Land Baden-Württemberg als Staatsforst und Staatsjagd gehörte. Kein Wunder, dass 1990 in der alten Sägemühle von einer Privatinitiative das Waldmuseum eingerichtet wurde, das nicht nur für Schulklassen und Gruppen interessant ist und einige Highlights bietet. Zu sehen ist u.a. die in einer Fichte verwachsene Pilotenkanzel eines auf der Schwarzmiss aufgefundenen Flugzeugs aus dem zweiten Weltkrieg. Der Wald, der heute durch einen hohen Fichtenanteil manchmal dunkel (Schwarzwald!) erscheint, war früher ein Mischwald aus Tannen, Buchen und Eichen. Die mächtigen Tannen wurden sogar nach Holland geflößt. Eichenstämme aus dem Murgtal wurden zu Gründungspfählen in Rotterdam. Sehr licht war der Wald damals und ermöglichte den Hirten des Dorfes, Kühe und Schweine auf die Waldweide zu führen, wo die Tiere die begehrten Eicheln finden konnten. „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“, so die alte Volksweisheit. Im Jahr 1707 wurden auf dem Kaltenbronn 1700 Weidetiere gezählt! Große Anstrengungen erforderte es, dem Wald die steilen Täler abzuringen, um Getreide, Raps und andere Feldfrüchte anzubauen. In den zahlreichen, nur im Murgtal aufzufindenden Heuhütten, die Tiroler Einwanderer mit hierher gebracht haben, lagerte man das Futter für die Tiere und holte es im Winter mit dem Schlitten ins Dorf. In Kohlenmeilern auf den „Kohlplatten“ direkt im Wald wurde die begehrte Holzkohle produziert. Das Köhlern selbst war eine raue Arbeit, die auch sehr große Erfahrung erforderte. Das Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff mit dem armen Kohlenmunk Peter, dem Holländer Michel und dem Glasmännlein stammt nachweislich aus dem Murgtal. Zahlreiche Mühlen, vom lebenswichtigen  Wasser der Bäche angetrieben, versahen ihren Dienst. Mit Wasserkraft wurde gesägt, gemahlen und gestampft. Zur Jahrhundertwende leistete sich die Gemeinde den Luxus der ersten Wasserversorgung mit Quellwasser. Als Gruppe mit Anmeldung oder in einer Führung haben Sie die Möglichkeit, die alte Mahlmühle mit Räderwerk und Transmissionen in Betrieb zu sehen. Der Reichentaler Wald zeichnete sich immer durch einen hohen Wildbestand aus und beherbergt heute noch eine Rotwildjagd. Auf und um den Kaltenbronn fanden herrschaftliche Jagden statt. Noch heute beeindrucken die Jagdhäuser auf dem Kaltenbronn oder das Haus Waldfried. Allerdings  verursachte das Wild Schäden im Wald und auf der Feldflur. Mit einem riesigen Zaun versuchte man, das Wild von den Äckern fernzuhalten.

Das Erste was Ihnen auf den Reichentaler Waldwegen auffallen wird, sind die enormen Vorräte an Brennholz, die die Waldwege säumen. Wir haben vorsichtig nachgerechnet und sind bei etwa 800 Einwohnern auf knapp 10 Ster Holz pro Reichentaler gekommen. Eine riesige Menge! Das umweltfreundliche Heizen mit nachwachsenden Rohstoffen wurde hier schon immer praktiziert. Die anderen Hinweise auf  frühere Zeiten sind eher versteckt: An 13 verschiedenen Stationen haben wir sie zugänglich gemacht und mit Info-Tafeln beschrieben. Der ganze Rundgang ist knapp 11 Kilometer lang, Sie können aber auch jederzeit abkürzen. Wo immer ein Weg nach unten führt, werden Sie auf diesem wieder nach Reichental gelangen, wo zum Abschluss das Schwimmbad und die Grillstelle einladen.

Wir hoffen, wir haben Ihnen Appetit darauf gemacht, den Reichentaler Wald zu besuchen. Den Startpunkt der Tour finden Sie beim
Reichentaler Waldmuseum. Wir wünschen Ihnen in unserem Wald viel Freude und Spaß.

folgen Sie den Schilderstandorten:

Johannesplatz - Goldloch - Milbigwiesen - Haltestelle Orgelfelsenhaus - Geigersnest - Alte Eichen - Auwiesen - Badstrasse - Johannesplatz

bzw. folgen Sie dem Symbol des Natur und Geschichte pur Weges

gutes Schuhwerk, Wanderschuhe
Über Autobahn A5 Karlsruhe-Basel, Ausfahrt Rastatt-Nord. Danach die Bundesstrasse 462 in Richtung Gernsbach. Nicht in die Stadt einfahren, sondern weiter auf der B462 durch den Tunnel in Richtung Forbach/Freudenstadt. Am Ortsende des Ortsteiles Hilpertsau links die Bahnhlinie überqueren in Richtung Reichental, Kaltenbronn, Bad Wildbad. Der Straße bis zum Ortsteil Reichental folgen. Auf der linken Seite befindet sich das Waldmuseum Reichental
Parkplätze beim Johannesplatz/Volksbank oder am Ortseingang/Ölberg

Gernsbach hat Anschluss an das Nahverkehrsnetz des Karlsruher Verkehrsverbunds. Nutzen Sie die Stadtbahnhaltestelle Gernsbach Bahnhof mit der Stadtbahnlinie S8/S81. Hier steigen Sie in den Bus 242 bzw. das Anruf-Linien-Taxi nach Reichental um. (Achtung! ist ein PKW im Fahrplan abgebildet, muss mind. 30 Min vor der Fahrt das Anruf-Linien-Taxi, Tel: 07225-96450 bestellt werden). Ausstieg Haltestelle "Reichental Johannesplatz".
Weitere Informationen sowie einen aktuellen Fahrplan erhalten Sie beim Servicetelefon des KVV unter der Telefonnummer (0721) 6107-5885 oder im Internet unter http://www.kvv.de

Wanderkarte "Murgtal" im Maßstab 1:25.000, erhältlich über die Tourist-Informationen im Murgtal oder über den Zweckverband "Im Tal der Murg" (Tel. 07225 9813121), www.murgtal.org zum Preis von 6,50 Euro.