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Kirchen in Gernsbach

Gernsbach ist bekannt für seine Historische Altstadt. In der Altstadt befinden sich die Jakobskirche und die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau. Diese Kirchen sowie drei weitere Kirchen in den Ortsteilen, sowie zwei Kapellen werden nachfolgend beschrieben.

Jakobskirche

Oberhalb der Schlossstraße und den Häusern der Unterstadt befindet sich die Jakobskirche mit ihrem monumentalen Dachreiter von 1746. I

m Innenraum präsentiert sich ein großzügiger Saalbau mit umlaufender Holzempore. Seit 1555 ist das spätgotische Gotteshaus evangelische Stadtkirche. Die schlichte Eleganz dieser "Unteren Kirche" wird durch einen polygonalen Chor mit Sterngewölbe von 1467-71 unterstrichen. Erst im Jahre 1771 wurde das flache Gewölbe im Langhaus mit den drei Deckengemälden von Sebastian Ignaz Gretter eingefügt. Die große Darstellung der Himmelsreiter im Traum Jakobs wird gerahmt von der Taufe Jesu im Jordan und dem letzten Abendmahl. Kunsthistorisch bedeutsam ist das Sakramenthäuschen aus der Erbauungszeit, das wohl aus dem künstlerischen Umkreis des Nikolaus Gerhaert von Leyden (1401/33 -1473) stammt. Die annähernd 6 m hohe Arbeit aus rotem Sandstein wird im Sockelbereich durch zwei Engelsfiguren gestützt. Heiligenfiguren flankieren die Nische, rechts der Evangelist Johannes, links eine weibliche Heilige. Unterhalb der Nische ist ein Wappenfries zu erkennen, über dem Gehäuse Christus als Schmerzenmann mit leerem Spruchband. Im Maßwerkhelm findet sich die Figur des hl. Sebastian im Lendenschurz, weitere Figuren fehlen. Auf der Kreuzblume an der Spitze sitzt ein Pelikan, der als christologisches Sinnbild seine Brut von eigenem Blut nährt.

Im Chor findet sich das eindrucksvolle Epitaph des Grafen Wilhelm IV. von Eberstein und seiner Frau (gest. 1562 und 1572). Der adelige Herr spielte eine bedeutende Rolle bei der Einführung der Reformation in der Grafschaft Eberstein. Mit dem beachtlichen, in seiner Ausführung manieristisch wirkenden Kruzifix über dem Altar besitzt das Gotteshaus eine wertvolle Holzschnitzerei des späten 16. Jhs. Die modernen Glasfenster schuf Albert Birkle 1966.

Pfarrkirche Unserer Lieben Frau

Am höchsten Punkt der Stadt wurde bereits 1388 mit dem Bau der katholischen Pfarrkirche Unserer Lieben Frau begonnen, deren Schiff 1830 verlängert wurde. Es wird vermutet, dass der mittelalterliche Bau aus der ehemaligen Burgkapelle hervorgegangen ist.

Der Eingangsturm aus dem 13. Jh. befindet sich in baulichem Verband mit der ehemaligen Stadtmauer und gehörte einst zur Befestigungsanlage. Die vier westlichen Joche des dreischiffigen Basilika mit polygonalen Chorschluss. Drei zusätzliche Joche wurden anlässlich der neogotischen Erweiterung 1833 durch August Mosbrugger hinzugefügt. Die westlichen Joche erneuerte man im späten 15. Jh., ablesbar ist dies an den jüngeren Wappen der Schlusssteine. Ein Netzgewölbe auf Konsolen überspannt das Mittelschiff, die Seitenschiffe besitzen Kreuzrippengewölbe.

Die moderne Restaurierung von 1970/71 hat die neogotische Innenausstattung von 1859-61 bis auf wenige Ausnahmen beseitigt. Dabei legte man den gotischen Raum frei, machte das Netzgewölbe sichtbar, gab den als wertvoll befundenen Einzelheiten einen würdigen Platz und kombinierte sie mit modernen Elementen. Hingewiesen sei auf die vermutlich von Straßburger Meistern geschaffenen Holzskulpturen der Heiligen Christophorus, Georg und Sebastian. Diese Figuren an der Westwand sind wohl vor 1488 entstanden. Beachtenswert ist ein Glasgemälde im dritten Nordfenster mit dreiteiliger Kreuzigungsgruppe (um1470) und einem anbetenden Stifter.

Aus dem frühen 16. Jh. stammt eine ausdrucksvolle Pietà. Das organische Astwerk am Weihwasserbecken in der Turmhalle symbolisiert das Holz des Lebensbaumes (um 1500). Sehr interessant ist hier das nach der Modernisierung verbliebene Relief eines hl. Grabes aus dem frühen 15. Jh., es zeigt geharnischte Soldaten und möglicherweise auch den Stifter mit einer Waage als Kaufmannszeichen.

In den Seitenschiffen sind die ortshistorisch bedeutsamen Grabplatten des geharnischten Eberhard von Eberstein (gest. 1571) und der Anna Alexandra von Fleckenstein (gest. 1616) zu sehen, letzterer sind sechzehn Ahnenwappen beigegeben.

Klingelkapelle

Zwischen Gernsbach und Obertsrot liegt am linken Murgufer die Klingelkapelle.

Der stattliche neogotische Saalbau aus rotem und weißem Sandstein besitzt einen Dachreiter, eine Vorhalle mit einer Muttergottesskulptur sowie einen eingezogenen Chor.

Die Kapelle wurde 1851/53 von dem Werkmeister Johann Belzer aus Weisenbach neu errichtet. An gleicher Stelle befanden sich Vorgängerbauten von 1501 und 1706.

Ursprünglich soll die so genannte "Klingele" von einem dankbaren Eremiten errichtet worden sein. Ein zur rechten Zeit erklingendes Glöckchen in einer Eiche habe seine Verführung durch ein nacktes Mädchen verhindert.

Kirche Maria Heimsuchung Lautenbach

Die heute profanierte Dreifaltigkeitskapelle wurde 1817 durch Wendel Belzer aus Weisenbach an Stelle der im Jahr zuvor abgebrannten Kapelle von 1740 errichtet.

1888 erfolgte der Anbau eines polygonal geschlossenen Chors und einer Sakristei. Der verputzte Bau besitzt ein Langhaus mit drei Fensterachsen und wird durch einen Dachreiter gekrönt. Neben der Kapelle steht ein schönes Wegkreuz von 1769.

Die katholische Kirche Maria Heimsuchung wurde 1961 als Saalbau mit frei stehendem Glockenturm errichtet. Ihr schlichter Innenraum läuft trapezartig auf den offenen Chorraum zu, der von rechts belichtet wird. Unter der leicht gewölbten Decke des Kirchenschiffs erstrecken sich raumhohe ungegenständlich gestaltete schmale Glasfenster. Aus der Dreifaltigkeitskapelle im Ortskern stammen eine schöne Pietà sowie ein hl. Wendelin aus dem 18. Jh.
 

Pfarrkirche Herz Jesu Obertsrot

Die Pfarrkirche Herz Jesu wurde 1912-13 durch Johannes Schroth errichtet.

Als neoromanische Basilika erhebt sie sich über einer großzügigen Treppenanlage, der südöstliche Turm mit Doppelfenstern wird von einem Pyramidendach bekrönt. Das große Gemälde an der Giebelfassade schufen 1921 die Gebrüder Hemberger aus Odenheim, es stellt die Verklärung Christi dar.

Der dreischiffige Innenraum wurde 1970-72 purifiziert, wobei die historischen Ausmalungen und Ausstattungsstücke entfernt wurden. Bemerkenswert klar tritt heute die architektonische Gliederung mit ungewöhnlich weiten Arkadenstellungen und den schlichten Kreuzgewölben hervor. Die moderne liturgische Ausstattung aus Bronze- und Steinarbeiten schuf der Bildhauer Henger aus Ravensburg.

In der Kapelle rechts des Haupteingangs findet man den Altar der Erhardskapelle aus der Mitte des 18. Jhs., in der Nische eine Pietà mit der schmerzhaften Muttergottes, eine Gemälde im Auszug zeigt den h. Antonius. Die modernen Kirchenfenster wurden nach Entwürfen von Rainer Dorwarth aus Freiburg angefertigt.

St. Erhard Kapelle

Der Turm der 1915 vollendeten katholischen Pfarrkirche Herz Jesu überragt die Dächer des Ortes und prägt das malerische Ortsbild.

Als neues Gotteshaus ersetzte es die zu klein gewordene Kapelle St. Ehrhard, die im unteren Ortsteil nahe der Murgbrücke steht. Diese zweiachsige Kapelle trägt das Baudatum 1752 am Türsturz an der Giebelseite.

Eine bauliche Besonderheit stellt der zweigeschossige Dachreiter dar, der jedoch erst in späterer Zeit aufgestockt wurde. Am rechten Eckquader zeigt das ehemalige Gotteshaus eine Wasserstandsmarke vom 29.10.1824. Die mit der Einweihung der neuen Pfarrkirche profanierte Kapelle diente zwischenzeitlich als Turnhalle und Veranstaltungssaal. Ihre Ausstattungsstücke wurden in die neue Kirche verbracht. Der Abbruch der Kapelle konnte durch die Initiative eines lokalen Bürgervereins verhindert werden.

St. Mauritius Reichental

Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius mit ihren bunt glasierten Dachziegeln liegt in malerischen Lage hoch über dem Dorf.

Sie wurde 1898 durch Johannes Schroth in der Formensprache der Neogotik errichtet. Das dreischiffige Langhaus besitzt einen eingezogenen Chor mit polygonalem Schluss, seitlicher Kapelle und einem südöstlichen Glockenturm. Der Innenraum ist mit farbenprächtigen Glasfenstern der Glasmalereianstalt H. Bleier aus Heidelberg ausgestattet. Der Hochaltar wurde durch Franz Joseph Simmler aus Karlsruhe geschaffen, die Seitenflügel gab man erst später in Auftrag und fügte sie 1907 hinzu. Auch die Kanzel, der Altar mit der Schutzmantelmadonna im kleinen Nebenchor und der Josefsaltar sind Werke Simmlers. 1901 fertigte der Maler Schultis aus Freiburg die Deckengemälde mit dem Leben Mariens sowie die Malereien am Chorbogen. Max Sterz aus Endingen führte gleichzeitig die gemalten Dekorformen an Fensterleibungen, Chor und Kapitellen aus. Aus der alten Kapelle wurden einige Holzskulpturen aus dem 18. Jh. übernommen, darunter eine Pietà sowie die Heiligenfiguren Mauritius und Rochus. Hinzugekommen ist eine ausdrucksvoll bewegte Sebastianusfigur aus der Mitte des 18. Jhs.


(Alle Texte wurden uns freundlicherweise vom Kreisarchiv Rastatt zur Verfügung gestellt.)

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