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Kirchen in Gaggenau

Gaggenau ist bekannt für seine malerischen Stadtteile. In fast jedem Stadtteil gibt es eine Kirche. Nachfolgend haben wir neun Kirchen in Gaggenau und den Stadtteilen beschrieben. Dazu gehört auch die bekannte Wallfahrtskirche "Maria Hilf" in Moosbronn.

Pfarrkirche St. Josef Gaggenau

Die Vorgängerin der katholischen Kirche St. Josef im Herzen Gaggenaus wurde erstmals 1683 urkundlich erwähnt. Sie war ein schlichtes Kirchlein, das den Heiligen Josef und Wendelin geweiht war. Der Sakralbau stand an der Hauptstraße zwischen dem damaligen Gasthaus "Zum Hecht" und dem Hof der Firma "Eisenwerke", etwa im Bereich des heutigen restaurierten historischen Gebäudes der "Eisenwerke". Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Kirchlein nach Plänen von Franz Ignaz Krohmer (1712 - 1789) zwar erweitert, vermochte die wachsende Anzahl der Gläubigen aber dennoch nicht zu fassen.

Am 15. Dezember 1891 wurde Gaggenau zur Kuratie erhoben. Erster Kurat war Joseph Bastian (1891 - 1892). Sofort begann man, sich nach einem geeigneten Grundstück für ein größeres Gotteshaus umzusehen. Kurat Ludwig Faller (1892 1898) kaufte den heutigen Kirchplatz und begann mit den Vorbereitungen zum Bau einer neuen Kirche. Die neoromanische Basilika mit Querhaus, Frontturm und halbrunder Apsis entstand dann zwischen 1899 und 1901 nach Plänen von Johannes Schroth (1859 - 1923). Am 13. August 1899 war Grundsteinlegung, am 7. April 1901wurde der erste Gottesdienst gefeiert. Am 2. September 1905 erhob man die Kuratie zur Pfarrei. Am 10. September 1944 erlitt die Kirche beim Fliegerangriff auf Gaggenau schwere Schäden. Der Wiederaufbau 1949 und 1950 erfolgte mit verändertem Turmhelm. Am 3. Dezember 1950 wurde die Kirche neu geweiht, Anfang 1978 dann ihr Innenraum renoviert. Die Außenrenovierung erfolgte 1987 und 1988, 1995 und 1996 wurde auch der Altarraum umgestaltet. Heute lädt das schlichte kleine Gotteshaus als "Oase in der City" zum Innehalten und Verweilen ein.

Die nüchterne Gestaltung des Innenraums verzichtet fast vollständig auf ornamentalen Schmuck. Sie ist damit formaler Ausdruck der Ästhetik in der frühen Nachkriegszeit, die Askese und Abstraktion als Tugenden des Neubeginns begriff. Haupt- und Seitenschiffe besitzen flache Holzdecken, die Arkaden ruhen auf schweren Granitsäulen mit Würfelkapitellen.

Pfarrkirche St. Jodokus Ottenau

Von Johannes Schroth wurde 1904-06 die katholische Pfarrkirche St. Jodokus errichtet.
Sie besitzt neben Vorhalle und Chorturm ein licht wirkendes Langhaus, das in damals innovativer Weise mit Netzgewölben aus Spannbeton überfangen wurde. Hier konnte eine reizvolle Synthese von mittelalterlicher Formensprache und moderner Bautechnik erzielt werden. Die Rundpfeiler sind nahe an die Außenwände herangerückt, so dass der Bau eine eigentümliche Mittelstellung zwischen dreischiffiger Halle und Wandpfeilerkirche einnimmt.

Die originale Innenausstattung hat sich, abgesehen von den neu gestalteten Glasfenstern, fast vollständig erhalten. Auf dem Hauptaltar sind im Relief Szenen aus dem Leben Jesu dargestellt, im linken Nebenchor ist die Krönung Mariens zu sehen, auf dem rechten Seitenaltar Begebenheiten aus dem Leben Josefs.

Wallfahrtskirche Maria Hilf Moosbronn

Das unterhalb des Mahlbergs gelegene Moosbronn wird durch seine 1746-49 errichtete Wallfahrtskirche Maria Hilf geprägt.

Der Neubau des Franz Ignaz Kromer ersetzte eine ältere Kapelle von 1683. Im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Gotteshaus bis 1954 wieder hergestellt.

Hinter dem kräftigen Eingangsturm mit Zwiebelhaube befindet sich eine dreiachsige Saalkirche mit eingezogenem Chor. Aus der Erbauungszeit haben sich Seitenaltäre und Kanzel erhalten. Der Hauptaltar wurde unter Verwendung älterer Teile 1954 von Rudolf Preißler aus Michelbach in neobarocken Formen erstellt. Hier befindet sich das 1735 in Baden-Baden entstandene Gnadenbild "Maria Hilf", eine Nachempfindung des Bildes aus dem Innsbrucker Dom von Lucas Cranach d. Ä.

Der linke Seitenaltar zeigt Josef mit dem Christuskind, der rechte St. Wendelinus. Beachtlich ist eine barocke Kreuzigungsgruppe an der Nordwand, sie kam nach der Aufhebung des Klosters Frauenalb hierher. Das nahe Pfarrhaus wurde 1804 von dem Weinbrennerschüler Vierordt erbaut und 1920 durch Johannes Schroth erst teilweise, 1934 dann vollständig aufgestockt. Zugehörig ist eine Pfarrscheuer, die in die 1930er Jahren zum Pilgerhaus ausgebaut wurde.

St. Johannes Nepomuk Hörden

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk wurde 1892-94 durch Franz Jacob Schmitt erbaut.

Das Gotteshaus ersetzte eine 1742 an anderer Stelle errichtete Kapelle. Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika aus unverputztem Sandsteinquaderwerk, zwischen dem nördlichen Seitenschiff und dem eingezogenen Chor erhebt sich der Kirchturm.

Fast vollständig ist die neogotische Innenausstattung erhalten. Bemerkenswert sind die wieder hergestellten floralen Ausmalungen in den Kreuzrippengewölben und die Kreuzwegstationen aus Email.

St. Michael Michelbach

Ältester Teil der Pfarrkirche St. Michael ist der Turm an der Nordseite des Langhauses, er stammt aus dem 14. oder 15. Jh. und geht möglicherweise auf einen Wehrturm zurück. 1572 wurde vermutlich ein Kirchenneubau begonnen.

Franz Ignaz Krohmer stellte 1768/69 Chor und Langhaus des dreiachsigen Saalbaus mit eingezogenem Chor wieder her und setzte einen Turmhelm auf. In den Jahren 1934-36 wurde das Langhaus am Turm vorbei nach Osten verlängert, im Süden fügte man ein Seitenschiff mit Sakristei an. Im Inneren findet sich ein neobarocker Hauptaltar von 1939, den Rudolf Preißler aus Michelbach an Stelle eines neogotischen Altars schuf.

Die barocken Skulpturen des Petrus und des Paulus wurden damals einbezogen. Bemerkenswert ist das Altarblatt im rechten Seitenschiff, es zeigt neben dem knienden hl. Wendelin eine frühe Landschaftsmalerei mit einem Ausblick in das Murgtal. Das Gemälde wurde 1779 von Johann Wolfgang Hauwiller aus Rastatt geschaffen. Von der barocken Ausstattung haben sich ferner eine Pietà im rechten Seitenschiff und Taufstein erhalten.

St. Johannes der Täufer Oberweier

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer geht in ihrer baulichen Substanz auf das 15. Jh. zurück. Aus dieser Zeit kündet der westliche Turm mit einem spitzbogigen Eingang. Das baufällige Gotteshaus wurde 1751-1753 wieder hergestellt. 1929 erhielt das kurze Langhaus eine Verlängerung um drei Fensterachsen nach Westen, wobei ein neuer Chor mit Sakristei angefügt und eine Verbindung zum Pfarrhaus hergestellt wurde. Die Innenausstattung stammt hauptsächlich aus dem mittleren und späten 18. Jh.
 
Auf dem Friedhof steht eine kleine Grabkapelle, die 1904 von Johannes Schroth entworfen wurde. Sie wurde zum Gedenken an Pfarrer Keller errichtet und trägt neoromanische Zierformen, darunter einen Giebel mit Rundbogenfries, Säulen mit Würfelkapitellen sowie rundbogige Triforienfenster. 1950 erhielt das Gebäude eine Verlängerung nach Süden.

St. Laurentius Bad Rotenfels

Über der Murg ragt der Eingangsturm der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius empor. Sie wird "Mutterkirche" des Murgtals genannt, da es sich hier um den Sitz de ältesten Pfarrei handelt. Ihr gehörten im 13. Jh. alle Orte bis hinauf nach Forbach an .

Der heitere Saalbau wurde 1752-66 durch Franz Ignaz Krohmer geplant und errichtet. Die Fassade erhielt bei der Renovierung 1902/03 neobarocke Überformung, darunter Pilaster und Lisensen sowie die äußeren Rahmungen an den drei Portalen der Eingangsseiten. Der bauliche Kern des Turmes geht wohl noch auf das Spätmittelalter zurück. Im Inneren wurden barocke und neobarocke Ausstattungsstücke kombiniert, wobei auch der Hochaltar erneuert wurde. Vor der Kirche stehen steinerne Standbilder der Maria Immaculata von 1749 und des hl. Johannes von Nepomuk aus dem Jahre 1728.
 
 
An der Eichelbergstraße liegt die kleine Sebastianskapelle (1747-52) mit Dachreiter und offener Vorhalle.

St. Nikolaus Selbach

Die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus wurde 1756-58 durch Johann Peter Ernst Rohrer und Franz Ignaz Krohmer errichtet.

Der Saalbau erhielt 1911 durch Johannes Schroth eine Verlängerung um drei Fensterachsen nach Westen, weshalb der Dachreiter heute in der Firstmitte sitzt. Der angebaute Teil bekam einen Treppenturm mit Zeltdach. Im flach gedeckten Saal steht ein nicht aus dieser Kirche stammender Hauptaltar aus der Zeit um 1760, das Altarblatt des hl. Nikolaus wird von geschnitzten Heiligenfiguren des Sebastian und des Rochus flankiert.

Eine Generation jünger sind die Seitenaltäre mit ihren Gemälden. Links das Altarblatt der Muttergottes, darüber Johannes der Täufer. Rechts die Vierzehn Nothelfer, darüber der hl. Wendelin. Bemerkenswert ist eine wohl aus der Vorgängerkirche stammende Holzskulptur aus der Zeit um 1500 in einer Nische der Langhauswand. Sie zeigt den sitzenden Kirchenpatron Nikolaus mit seinen Attributen, den drei goldenen Kugeln auf einem Buch.

St. Anna Sulzbach

Schon kurz vor 1683 wurde eine Annakapelle errichtet. An ihrer Stelle entstand 1883-85 nach Plänen von Adolf Williard (1832-1923) die neoromanische Pfarrkirche St. Anna.

Mit seiner asymmetrischen Anlage mit zwei Schiffen und der ungewöhnlichen Chordisposition mit sieben Seiten eines Zehnecks stellt dieser Bau eine bauliche Besonderheit dar. Neben romanischen Stilelementen finden sich auch Einflüsse der italienischen Gotik und der Renaissance. Nach eigenem Bekunden versuchte der Architekt die Baumasse ästhetisch aufzulösen, um sie der malerischen Umgebung besser anpassen zu können. 1936 wurden Apsis und Chorbogen malerisch neu gestaltet, einen Veränderung, die zusammen mit den älteren Malereien in den 1960er Jahren übertüncht wurde.

Mitte der 1980er Jahre konnten weite Teile der ursprünglichen Raumfassung unter Rücksichtnahme auf die Veränderungen von 1936 wieder hergestellt werden. Auch im Kirchenraum finden sich architektonische Formen verschiedener kunsthistorischer Epochen. Die Rundbogenfriese unter dem Deckenansatz sind romanisch, dien Knospenkapitelle und die Rundfenster wurden von der Gotik und die Apsisform von der italienischen Renaissance beeinflusst. Das Hauptschiff besitzt eine offene Holzdecke, das Seitenschiff wird durch Arkadenbögen abgetrennt. Von der ursprünglichen Ausstattung sind neben Triumphkreuz, Altarretabel und Kanzel auch ein Teil der Kreuzwegbilder erhalten, dies gilt ebenso für die aus der Werkstatt der Offenburger Glasmaler Geck und Vitali stammenden Kirchenfenster.

Auf dem Seitenaltar steht eine anmutige Muttergottes mit Kind, eine qualitätvolle Holzschnitzerei, die wohl um 1500 im oberschwäbischen Raum entstanden ist. Maria berührt mit der rechten Hand den Fuß ihres Sohnes und scheint dabei durch Vorausahnung der schmerzhaften Zukunft ihres Kindes traurig bewegt. Eindrucksvoll ist die steinerne Orgelempore mit einer Dreierarkade auf schlanken Rundpfeilern.


(Alle Texte wurden uns freundlicherweise vom Kreisarchiv Rastatt zur Verfügung gestellt.)

Katholische Kirche St. Marien

Die katholische Kirche St. Marien wurde vom Karlsruher Architekten Rainer Disse geplant und 1968 eingeweiht. Seit 2004 steht die Kirche zusammen mit dem angegliederten Gemeindezentrum als erhaltenswerte moderne Architektur unter Denkmalschutz.

Nach außen zeigt der Komplex eine sehr geschlossene Form. Einzig der hohe Turm und das riesige Kirchendach, einer Schiffsarche gleich, erheben sich weit über die horizontalen Linien der schützenden Außenmauern. Durch diese schuf der Architekt eine Oase der Ruhe mitten im Zentrum von Gaggenau und eine Vielzahl verschieden gestalteter Innenhöfe. Im Haupthof weist ein gewaltiges, sich vorwölbendes Dach wie eine riesige Betonskulptur den Eingang in die Kirche. Der Blick im Inneren wird eingefangen durch die bis zum Altar durchlaufende silber glänzende "Faszinationslinie". Sie mündet in ein schmales senkrecht verlaufendes Fensterband, das sich in seiner Farbe von weiß bis zu blutrot steigert. Die Kirche bietet in ihrer Klarheit und Strenge, einem Kloster ähnlich, die Möglichkeit der Reflexion und inneren Einkehr. Wer sich Zeit nimmt, wird eine Vielzahl an unterschiedlichsten Raumerlebnissen, Durchblicken, Einblicken und Gestaltungsfeinheiten wahrnehmen können. Wie aus einem Guss zu der modernen Architektur erscheint die Altarmöbilierung und Fenstergestaltung durch den international bekannten Künstler Prof. Horst Antes, der auch den Brunnen im Hauptinnenhof entwarf.

Für nähere Informationen liegen Hefte in der Kirche aus. Zusätzlich bietet die Gemeinde Kirchenführungen an. Im Sommer wird der Innenhof für ein Hoffest mit Konzert genutzt. Erstmals gab es eine spirituelle Kirchenführung mit Lichtinstallationen.

Evangelische Markuskirche

Die Wurzeln der ev. Markuskirche reichen zurück ins 19. Jahrhundert, als die Erben des Freiherrn von Magnus der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau-Bad Rotenfels einen Bauplatz an der heutigen Amalienbergstraße und einen Geldbetrag in Höhe von 2.000 Mark schenkten mit der Auflage, innerhalb von fünf Jahren eine Kirche zu errichten. Bis zum damaligen Zeitpunkt war die Anzahl der evangelischen Christen in Gaggenau über 200 angestiegen. Im Gartensaal des Rotenfelser Schlosses feierten sie monatlich ihren Gottesdienst.

Am 19. November 1891 war es soweit: Die neoromanische Kirche mit neogotischem, hölzernen Dachreiter wurde mit einem großem Festakt in Anwesenheit des Großherzoglichen Paares eingeweiht. Am 4. November 1911 erhielt die Kirche eine Pfarrei. Der Fliegerangriff auf Gaggenau während des Zweiten Weltkrieges am 10. September 1944 verschonte auch den Sakralbau nicht und zerstörte ihn stark. Er wurde wieder aufgebaut und am 29. November 1953 neu eingeweiht. Heute ist die Kirche ein Wahrzeichen Gaggenaus. Schön anzusehen ist das Gotteshaus vor allem vom Murgpark aus über Flürscheimsteg und Murgkaskaden hinweg in Richtung Schwarzwald.

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