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Bernstein

Bernstein Der Bernsteinfels östlich von Sulzbach und Michelbach liegt auf einer Höhe von 694 m.ü.NN und gehört zu den Raritäten der Murgtalfelsen. Von seinem Gipfel hat man einen traumhaften Panoramablick.

Geologisch besteht der Gipfel aus zerklüftetem Mittleren Buntsandstein. Auf ihm ragt ein 3 Meter hohes Steinkreuz in den Himmel.


Von mehreren Ausgangspunkten können Wanderer den Bernstein erreichen:
- Gaggenau, Waldfriedhof über Sulzbacher Scheibenberg
- Vom "Käppele", Passhöhe zwischen Loffenau und Bad Herrenalb
- Drachenfliegerparkplatz nahe Althof, einem Ortsteil von Bad Herrenalb
- Bernbacher Grillplatz  am nordwestlichen Ortsrand von Bernbach

Im Folgenden finden Sie einen ausführlichen Text zum Bernstein, den Manfred Reufsteck verfaßt und uns freundlicherweise für die Veröffentlichung an dieser Stelle zur Verfügung gestellt hat. Das Copyright für Text und Fotos liegt beim Autor.

Der Bernstein - Traumberg über dem vorderen Murgtal

Das Murgtal, eines der schönsten Flusstäler des Schwarzwaldes, ist zwischen Baiersbronn und Gaggenau von einer Vielzahl von Bergen umsäumt. Alle haben sie einen Namen, manche sogar ihre ganz eigene Geschichte und viele sind beliebte Ziele von Wanderern und Mountainbikern. Eine Sonderstellung unter all diesen Bergen nimmt der Bernstein ein, an dessen Fuß die Gaggenauer Ortsteile Michelbach und Sulzbach liegen. Mit 694 m über Meereshöhe ist er zwar deutlich niedriger als die Teufelsmühle oder die Badener Höhe, aber keiner dieser besonderen Aussichtsberge des nördlichen Schwarzwaldes konnte seine Ursprünglichkeit so bewahren wie der Bernstein. Weder Straße noch Turm wurden jemals dort oben erbaut. Dennoch zieht es zu jeder Jahreszeit Wanderer aus nah und fern dorthin, vor allem auf den ca. 200 m3 mächtigen Felsblock aus Buntsandstein, denn die Aussicht von dieser Felskanzel ist bei gutem Wetter gewaltig. Während im Südwesten die Hornisgrinde (1163 m) den Horizont begrenzt, reicht nach Norden der Blick bis zum 61 km entfernten Kalmit (673 m) über Neustadt in der Pfalz. Und dazwischen lassen sich eine Vielzahl von Bergen, Ortschaften und markanten Punkten ausmachen. Bei sehr klarem Wetter erkennt man selbst das Straßburger Münster und dahinter die über 80 km entfernten Mittelvogesen, manchmal sogar die Hochvogesen in über 120 km Entfernung. Dann verläuft über die Vogesen und den Pfälzer Wald eine vom Bernstein aus sichtbare Horizontlinie von rund 180 km Länge!

Die Erschließung des Bernstein
Kein Wunder, dass dieser Felsblock viele Generationen immer wieder fasziniert hat. Die älteste erhaltene Inschrift nennt die Jahreszahl 1848, das war das Jahr, in dem die Badische Revolution begann. Zu dieser Zeit war die Besteigung des Bernstein noch ein Abenteuer, denn der 6 m hohe Felsblock musste geradezu erklettert werden.
Mit Beginn der 60er Jahre des 19. Jh. waren es wohl frühe Bernsteinfreunde, die auf die Idee kamen, den Bernsteinfels auch für Nichtkletterer zu erschließen: 1864 wurde die Felsentreppe zum Plateau angelegt, die entsprechende Jahreszahl ist neben den oberen Stufen noch sichtbar.
Auch 1877 muss für den Bernsteinfels ein besonderes Jahr gewesen sein: Auf seinem höchsten Punkt wurde ein 3 m hohes Steinkreuz errichtet, das wohl einzige steinerne Gipfelkreuz im Nordschwarzwald. Wer zu dieser Zeit, als es noch keinerlei Motorgeräte gab, geschweige Fahrzeugkrane, dieses fast eine Tonne schwere Kreuz anfertigte, auf den Fels schaffte und dort aufstellte, ist unbekannt, auch nicht der Anlass. Denkbar ist, dass die Initiative zur Errichtung dieses Kreuzes - wie auch zu der 13 Jahre zuvor geschaffenen Felsentreppe -  von Karlsruher Wanderfreunden ausging. Von der 1887 gegründeten Ortsgruppe Karlsruhe des Schwarzwaldvereins stammt ja auch die Fassung des 10 Gehminuten entfernten Karl-Schwarz-Brunnens (Karl Schwarz war Gründungsmitglied dieser Ortsgruppe und Stifter dieses Brunnens). Da es zu jener Zeit in den nahe gelegenen Ortschaften Michelbach, Sulzbach, Bernbach, Hörden, Ottenau und Gaggenau noch keine Wandervereinigungen gab, sind diese Gemeinden von der Bernstein-Erschließung sicherlich auszunehmen, zumal der Bernstein gemarkungsmäßig zu keiner dieser Ortschaften gehört.

Wem gehört dann dieser Bernstein, den all die genannten Gemeinden gerne als „ihren“ Hausberg bezeichnen? Übrig bei dieser Recherche bleibt nur der heutige Gaggenauer Ortsteil Bad Rotenfels. Tatsächlich umfasst, gleich einer Enklave, die Gemarkung dieser bis Ende 1969 selbständigen Gemeinde den Bernstein, wie auch den Karl-Schwarz-Brunnen und den Bruhberg, der bis zu den Michelbacher Brüderwiesen reicht. In diesem Zusammenhang ist es auch erwähnenswert, dass das frühere Land Württemberg in einem spitzen Keil bis unmittelbar an die Südwestseite des im Badischen liegenden Bernsteinfelsen heranreichte. Der Grenzstein Nr. 41 markiert mit dem eingemeißelten Grenzverlauf heute noch diesen schwäbischen „Vorstoß“.

Woher kommt der Name Bernstein?
Der Murgtäler Bernstein hat natürlich nichts mit dem gleichnamigen fossilen Harz zu tun, das an den Küsten von Nord- und Ostsee zu finden ist und zu Schmuck verarbeitet wird. Dieser Bezug scheidet also aus, zumal in dem hiesigen Buntsandstein so gut wie keine Fossilien vorkommen. Eine Namensverbindung besteht dagegen zu dem eine Gehstunde entfernten Bernbach, einem Ortsteil von Bad Herrenalb. Ob nun der Bernstein von Bernbach oder umgekehrt Bernbach vom Bernstein abgeleitet wurde, sei dahingestellt. Als gesichert gilt, dass die Silbe „Bern“ von dem althochdeutschen „bero“ kommt und „Bär“ bedeutet. Auch die erste Silbe der Vornamen Bernhard und Bernward bedeutet danach nichts anderes als „Bär“, gleiches gilt für die schweizerische Hauptstadt Bern. Ja, und Braunbären waren noch bis ins späte Mittelalter im Nordschwarzwald heimisch, bis im Jahr 1740 der letzte in der hiesigen Region, genauer bei Forbach, geschossen worden war. So dürfte der Bernstein vom Sinn her früher höchstwahrscheinlich Bärenstein geheißen haben, was darauf schließen lässt, dass Braunbären auch in diesen Felsen einst zu Hause waren. Diese Annahme wird durch die Tatsache unterstützt, dass unter den westwärts liegenden Felsblöcken mehrere Höhlungen erhalten sind, die sich für Braunbären – sie entsprechen der Größe des Alpenbären – als Unterschlupf durchaus eignen. So könnte der größte dieser bisher namenlosen Felsblöcke, er ist gut 10 m lang und 4 m breit, heute „Bärenstein“ genannt werden.

Die Bernsteinhütte
Nach dem Bau der Felsentreppe 1864 und der Errichtung des Gipfelkreuzes 1877 war es sicher ein vielfältiger Wunsch, in der Nähe dieses Felsens auch eine Hütte zu bauen. Die erste Bernsteinhütte wurde am Nordhang des Bernstein auf Rotenfelser Gemarkung erstellt, entsprechende Fundamentsteine zeugen heute noch davon. Erbaut wurde sie wahrscheinlich 1886 und bot unzähligen Wanderern, aber auch Jägern, Forstleuten und Beerensammlern Schutz, rund ein halbes Jahrhundert lang. Dann wurde diese Hütte durch eine neue ersetzt am Standort der heutigen Bernsteinhütte, also auf der Württemberger Seite, Bernbacher Gemarkung. Als Zeitpunkt kann das Jahr 1938 angenommen werden, denn diese Jahreszahl ist auf einem Sockelstein noch lesbar. Diese Hütte wiederum musste im Herbst 2001 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Im November/Dezember 2001 entstand an gleicher Stelle auf Initiative von Revierförster Manfred Theurer aus Bernbach die heutige schmucke Blockhütte, finanziert durch die „Hertweck-Stiftung“ der Stadt Bad Herrenalb. Im Beisein von mehreren hundert Wanderern und Mountainbikern wurde diese neue Hütte am 21. April 2002 zünftig eingeweiht und von den Leitern der staatlichen Forstämter Bad Herrenalb und Rotenfels, Reinhold Rau und Thomas Nissen, "grenzübergreifend" ihrer Bestimmung übergeben.

Erdgeschichtlicher Rückblick
Geologisch betrachtet reicht die Geschichte des Bernsteinfels bis ins frühe Erdmittelalter zurück. Sie begann vor 251 Millionen Jahren in der unteren Trias-Periode mit der Ausbildung des Buntsandsteins. Innerhalb von 11 Millionen Jahren entstand im heutigen Süddeutschland und dem angrenzenden Ostfrankreich eine bis zu 300 Meter dicke Buntsandsteinschicht, eines der späteren Deckgebirge von Schwarzwald und Vogesen. Vor 240 Millionen Jahren gab es die heutige Tierwelt natürlich noch nicht, Dinosaurier beherrschten die Erde. Erst lange danach entwickelten sich die ersten Säugetiere und Vögel. Die gegenwärtige Tier- und Pflanzenwelt entstand vornehmlich innerhalb der letzten 70 Millionen Jahre. Und der Urmensch, aus dem schließlich vor etwa 40.000 Jahren der Jetztmensch hervorging, entwickelte sich erst in den allerletzten 3 – 4 Millionen Jahren. Vor 50 Millionen Jahren begann die Erdoberfläche zwischen dem heutigen Schwarzwald und den Vogesen sich abzusenken; der Oberrheingraben entsteht. Während dieser bis heute noch nicht abgeschlossenen Entwicklung – der Oberrheingraben senkt sich pro Jahr immer noch fast 1 mm – setzte vor 5 Millionen Jahren eine starke Hebung und Aufkippung der Grabenränder ein. In diese Zeit fällt die eigentliche Entstehung des Bernsteinfels. Seine heutige Ausformung ist das Ergebnis einer Reihe von jahrtausendelanger Kaltzeiten, also Eiszeiten, die wiederum durch Warmzeiten unterbrochen waren, in denen das Klima zum Teil wesentlich wärmer war als heute. Wann der erste Mensch den Bernstein betrat, wird für immer verborgen bleiben. Und dass die Kelten (400 v. Chr.) diesen Fels schon kannten, ist sehr unwahrscheinlich.
Diese erdgeschichtliche Kurzbetrachtung hat der Autor dieses Beitrages im Sommer 2003 auf einer Messingtafel festgehalten, die er dann mit Zustimmung der Forstämter Bad Herrenalb und Rotenfels auf einem eigens dafür neben der Bernsteinhütte aufgestellten Findling angebracht hat. Der eigentliche Zweck dieser Texttafel ist aber nichts anderes, als die Einzigartigkeit - und damit die Schutzwürdigkeit - dieser Felsformation stets bewusst zu machen, um den Bernsteinfels auch kommenden Generationen zu erhalten.

Der Stoff, aus dem der Bernstein geschaffen ist
Wie schon erwähnt, ist der Bernsteinfels aus Buntsandstein. Der Buntsandstein selbst besteht überwiegend aus feinen Quarzkörnern, Durchmesser etwa 0,25 mm, die rot oder rotbraun, gelegentlich auch gelb, weiß oder violett, also bunt gefärbt sind. Die Färbung rührt von Eisenoxid und von Eisenhydroxiden her, die als dünne Häutchen die Quarzkörner überziehen. Entstanden sind diese mächtigen Sandablagerungen teils durch Wasserverfrachtung, also durch Flüsse oder im Meer, oder durch Wind, wie wir es von Dünen her kennen, ob am Meer oder in Wüsten. Die am Bernsteinfels sichtbaren Schrägschichtungen stammen ganz offensichtlich von solcher Dünenbildung. Unterschiedliche Meinungen gibt es dagegen immer wieder in der Deutung der Herkunft jener hohlkugelförmigen Ausbildungen im Bernsteinfels. Gleiches gilt natürlich auch für das entsprechende Pendant, die kugelförmigen Einlagerungen, Geoden genannt. Waren es Tone, die im Sand abgelagert wurden oder doch eher organische Einschlüsse, welche bei der Sandsteinbildung radial gewirkt haben? Zu welchem Schluss man auch kommen mag, der Ursprung dieser Ausformungen liegt mehr als 240 Millionen Jahre zurück. Erwähnenswert ist auch, dass für Süddeutschland diese ca. 300 m dicke Buntsandsteinschicht - grob betrachtet – gegliedert wird in Unteren, Mittleren und Oberen Buntsandstein. Dabei zählt der Bernsteinfels noch zum Mittleren Buntsandstein, was darauf hinweist, dass hier der Obere Buntsandstein bereits wieder abgetragen worden ist. Beim benachbarten Mautzenberg mit 759 m ü. NN ist dagegen der Obere Buntsandstein noch anzutreffen.

Weitsicht vom Bernstein: Hinter dem Kleinen Staufen (1.v.l.) die Hochvogesen, rechts vom Merkur (2.v.l.) und hinter Fremersberg und Battert (3.u.4.v.l.) die Mittelvogesen

Die Bernsteinplatte
Eine weitere, ebenfalls von Manfred Reufsteck geschaffene Informationstafel befindet sich auf dem Plateau des Bernsteinfels. Diese halbkreisförmige Tafel ist für einen Entfernungsradius von 18 km im Maßstab 1:50.000 ausgelegt und hat einen Durchmesser von 72 cm. Innerhalb dieses Entfernungsradius sind über 30 sichtbare Orte mit Richtungslinien festgehalten, ebenso eine ganze Anzahl von Bergen wie z. B. die Badener Höhe, der Merkur, der Mahlberg u. a., die über eine Kegelspitze anvisiert werden können. Auch der Verlauf der Murg ist markiert. Eine Entfernungsskala mit maßstäblicher 1-km-Einteilung und Hilfsradien erleichtern dabei die Abschätzung der einzelnen Ortsentfernungen. Die Himmelsrichtungen Nord und West ergänzen diese Orientierungsangaben. Der Bernstein selbst ist mit seiner Höhe von 694 m und seiner geographischen Position von 48° 48,7´ nördlicher Breite und 8° 23,8´ östlicher Länge markiert. Oft reicht die Sicht vom Bernsteinfels weit über den Entfernungsradius von 18 km hinaus, z. B. über den Rhein hinüber ins Elsass bis zu den Bergen der Hochvogesen im Südwesten oder zu jenen des Pfälzerwaldes im Nordwesten; dazwischen die Berge der Mittelvogesen mit Namen wie Champ du Feu, Rocher de Mutzig. Die Zaberner Senke (Saverne) zeigt die Trennung zwischen Mittel- und Nordvogesen an. Bei solcher Weitsicht eröffnet sich dem Schauenden eine ungeahnte Horizontlänge. Wohl dem, der jetzt ein Fernglas dabei hat. Nicht sichtbar, auf der Bernsteinplatte aber ebenfalls mit Richtungsposition und Entfernung in km eingraviert, sind der Feldberg, der Mont Blanc, einige europäische Hauptstädte sowie die Meerenge von Gibraltar in rund 1800 km Entfernung als südwestlichster Punkt unseres Kontinents.

Festgehalten sind auf dieser Platte auch die Positionen des Sonnenunterganges zur Wintersonnenwende, zu den Tagundnachtgleichen und zur Sommersonnenwende mit jeweiligem Datum und örtlicher Zeitangabe. So geht – vom Bernstein aus gesehen – die Sonne zur Wintersonnenwende am 22. Dezember zwischen Merkur und Kleinem Staufenberg unter. Dabei ist es auf dem Bernstein 16.32 Uhr.

In einem weiteren Informationssegment finden sich die Daten der Jahreszeitanfänge, denen zugeordnet sind die jeweilige Tageslänge (Zeit zwischen Sonnenauf- und -untergang) und die jeweilige Sonnen-Mittagshöhe (höchster Punkt der Sonne auf ihrer scheinbaren Tagesbahn).

In ganz andere Dimensionen führen einige astronomische Angaben: Die Entfernungen von der Erde zum Mond, zur Sonne, zur Bahn des Planeten Pluto und zum nächsten Stern sowohl in km als auch in Lichtlaufzeiten. Sind es zum Mond gerade 1,3 Sekunden, die das Licht für diese Strecke von 384.000 km benötigt, so sind es zur 149,6 Millionen km entfernten Sonne bereits 8,3 Minuten, zur Plutobahn 5,4 Stunden und zum nächsten Stern 4,2 Jahre. Diese 4,2 Lichtjahre entsprechen einer Entfernung von rund 40 Billionen km. Wollte der Mensch jemals dort hin, er bräuchte selbst bei einer Geschwindigkeit von 40.000 km/h, die bisher in der bemannten Weltraumfahrt noch nicht erreicht wurde, über 100.000 Jahre. Dabei hätte er innerhalb unserer Galaxis, d. h. unserer Milchstraße, die einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren hat, wohl erst eine winzige Strecke zurückgelegt. Die nächste Galaxie aber wäre immer noch viele 100.000 Lichtjahre entfernt. Auf dieser Tafel lassen sich auch noch andere Informationen ablesen. Z. B. findet man eine Angabe über den Erdgegenpunkt, dieser liegt ca. 1350 km ostsüdöstlich von Neuseeland im Pazifischen Ozean, ca. 5000 m unter dem Meeresspiegel. Oder, an der Kreisabschnittseite ist auf der einen Hälfte die Entfernung zur Erdmitte vermerkt, auf der anderen vereinfacht der Schichtenaufbau der Erde im Maßstab 1:17.500.000.

Wem für all diese Informationen auf dem Bernstein nicht der Sinn steht, weil seine oder ihre quirligen Kinder lieber etwas vom Kuckuck erzählt haben wollen, für jene ist die vorerwähnte Richtungsangabe „Gibraltar“ genau richtig. Denn für eine ganze Anzahl unserer heimischen Vögel führt über diese Meerenge im Herbst der Weg ins afrikanische Winterquartier, bis sie im Frühjahr nach erneutem, teilweise über 10.000 km langem Flug wieder bei uns eintreffen. Und was könnte ein Kuckuck von einer solch langen „Reise“ nicht alles erzählen! Gleichwohl wie man diese Bernsteinplatte auch betrachten mag, sie vermittelt zuallererst die uralte Sehnsucht des Schauens. Und dieses Schauen in die Weite, ins Raumgreifende, zu fernen Horizonten ist‘s, was manchen Bernsteinfreund 20 mal, 30 mal oder mehr im Jahr auf diese Aussichtskanzel hinaufzieht.

Viele Wege führen zum Bernstein
Einer der kürzesten Wanderwege zum Bernstein beginnt am Drachenflieger-Parkplatz nahe bei Althof, Ortsteil von Bad Herrenalb. Von dort geht es zunächst eben westwärts zur Wasenhütte, dann auf dem Richard-Massinger-Weg stets leicht ansteigend, nahe vorbei am Karl-Schwarz-Brunnen und zum Schluss über einen steilen Pfad, zum Bernstein. Gehzeit ca. 45 Minuten.

Ähnlich lang ist der Weg vom Bernbacher Grillplatz aus (am nordwestlichen Ortsrand von Bernbach), vorbei am Mautzenstein. Vom Käppele (Passhöhe zwischen Loffenau und Bad Herrenalb) ist es geringfügig weiter, dafür streckenweise aussichtsreicher.

Mehr Ausdauer erfordert der Aufstieg aus dem Murgtal, z. B. von Gaggenau. Günstiger Ausgangspunkt ist hier der Waldfriedhof von Gaggenau. Rechts von diesem führt ein bezeichneter Weg (blaue Raute) zum Sulzbacher Scheibenberg, dann vorbei an den Bruhwiesen und in Serpentinen hoch zum Bernstein. Gehzeit gut 2 Stunden.

Etwas kürzer, aber steiler, geht es von Michelbach durch die Schließklamm hinauf, vorbei am Karl-Schwarz-Brunnen, oder von Sulzbach über den Weg zur Sandhütte.

Mehr als 2 Stunden Gehzeit erfordern die markierten Wege von Bad Rotenfels, Ottenau, Hörden und Gernsbach.
Abgesehen von den steilen Pfaden kurz vor dem Schlussanstieg zum Bernstein und durch die Schließklamm, lassen sich alle anderen genannten Wege auch mit dem Mountainbike befahren, ebenfalls mit Langlaufskiern bei entsprechender Schneelage wie im Februar 2005, als der Autor von Moosbronn zum Bernstein spurte und dann bis zum Waldfriedhof von Gaggenau abfahren konnte.

Wenn der Tag sich neigt
Einen Sonnenuntergang zu erleben, ist stets etwas Beeindruckendes. Kein anderer Moment des Tages macht so bewusst, wie vergänglich, wie begrenzt unsere Zeit ist. Auf dem Bernstein ist ein solches Erlebnis noch stärker. Täglich nimmt die Sonne bei ihrem Untergang am Horizont eine andere Position ein. Befindet sich diese zur Sommersonnenwende über den Bergen des Pfälzer Waldes, genauer etwas nördlich der Hohen Derst (561 m) bei Bad Bergzabern, so wandert im fortschreitenden Jahr diese Position über die Nordvogesen wieder südwärts, erreicht zum Herbstanfang etwa die Höhe von Saverne, zieht weiter über die Mittelvogesen, um dann zur Wintersonnenwende den südlichsten Untergangspunkt nahe dem Tête des Faux (1220 m) in den nördlichen Hochvogesen zu erreichen; dorthin beträgt die Sichtweite fast 120 km! Dann wandert dieser Schnittpunkt, diese Grenze zwischen Tag und Nacht, wieder 6 Monate lang nordwärts – bis zur Hohen Derst.

Aber bleiben wir noch etwas bei der Faszination der Sonnenuntergänge auf dem Bernstein. Sind diese bei wolkenloser Hochdruckwetterlage eher von beschaulicher Art, bei denen die Sonne schlicht und feierlich als glutrote Kugel am fernen Horizont versinkt, so entstehen nach einem Gewitter oder nach aufreißender Bewölkung oft ganz gewaltige Lichtszenarien. Zur Herbst- und Winterzeit, wenn nur noch die höheren Berggipfel aus einem weiten Nebelmeer herausragen, sind es dann Stimmungen wie bei einem Blick von einer Steilküste am Atlantik in endlose Weiten.

Und eine nächtliche Stunde auf dem Bernstein kann geradezu zu einer Sternstunde werden: Dann, wenn der Himmel klar ist und viele Tausend Lichter unten im Tal der Murg aufleuchten, diese Lichtfülle sich in die Rheinebene bis ins Elsass fortsetzt und der Nachthimmel mit unzähligen Sternen seine ganze Pracht entfaltet. So vermag der Bernstein, dieser eigentlich unscheinbare Berg über dem vorderen Murgtal, zu einem wahren Traumberg zu werden, Sternstunden erleben zu lassen, wie sie anderswo intensiver kaum sein können.

Literatur
Stanley, Steven M.: Historische Geologie, Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg 2001

Metz, Rudolf: Mineralogisch-Landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald. Moritz Schauenburg Verlag, Lahr 1977

Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (Hrsg.): Geologische Schulkarte Baden-Württemb. – Erläuterungen - , Freiburg 1998

Bildnachweise : Copyright für alle Fotos liegen bei Manfred Reufsteck

Anschrift des Autors: 76571 Gaggenau, Michelbacher Str.6, E-Mail: lumare@gmx.de

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